Für den HF/HClO4-Aufschluss werden 100 mg Probenpulver eingewogen und in einen Teflontiegel gegeben. Anschließend werden je 3 ml HF (Ultrapur) und HClO4*** zugegeben. Die mit einem Teflondeckel verschlossenen und gesicherten Tiegel werden dann in einen Heizofen bei 180−200°C mehrere Stunden (10−12 Std.) gekocht. Nach dem Abkühlen der Tiegel werden diese auf Heizbänke gebracht und die Säuren im Abzug abgeraucht. Der trockene Rückstand wird nun mit 2ml HNO3***, etwas H2O*** und 200 µl des inneren Standards (Lösung mit je 10 mg/g In und Re) versetzt. In einem Quarzglaskolben erfolgt die Verdünnung dieser Lösung auf ein Volumen von 100 ml. Die so erhaltenen Lösungen werden zur Aufbewahrung in zuvor mit HNO3*** konditionierten HDPE-Flaschen abgefüllt und diese dann beschriftet.
Der HF/HNO3-Aufschluss wird ähnlich dem HF/HClO4-Aufschluß angefertigt. Den 100 mg Probenpulver wird im Teflontiegel jeweils 3 ml HF und HNO3*** zugegeben. Nach dem Kochen im Heizofen (ebenfalls 10−12 Std. bei 180−200°C) werden die Säuren auf der Heizbank im Abzug abgeraucht. Der Rückstand wird nach der Zugabe von 2 ml HNO3*** erneut bis zum kompletten Abrauchen der Säure auf der Heizbank behandelt. Nach dem zweiten Abrauchen verläuft die Prozedur genau wie beim HF/HClO4-Aufschluss.
Zu Anfang der eigentlichen Probenmessungen standen Versuche hinsichtlich stabilitäts- und empfindlichkeitsverbessernder Zusätze. Solche Zusätze können möglicherweise die Stabilität der Lösung verbessern oder die Response (also die Empfindlichkeit) des Gerätes ähnlich den Matrixmodifiern bei der AAS/AES für ein Isotop verbessern. Um solche möglichen positiven Wirkungen verschiedener Zusätze herauszufinden, wurden Lösungen aufgeschlossener internationaler Standards verschiedene Substanzen zugesetzt. Diese Zusätze waren: TMAH (Tetramethylammoniumhydroxid), 6N HCl*** und gesättigte H3BO4. Die Ergebnisse dieser Versuche sind im Kapitel 5.1 zusammengefasst.
Bei dem HF/HNO3-Aufschluss kam es zur Bildung eines sichtbaren, weißen, flockigen Niederschlages. Vermutlich handelt es sich hierbei um Al-Fluoride. Dieser Niederschlag wurde durch eine ca. 20-minütige Behandlung der Lösungen im Ultraschallbad dauerhaft gelöst. Dazu wurde die Lösung im Tiegel mit allem Niederschlag in den Quarzkolben überführt und auf 100 ml verdünnt. Anschließend wurde der Quarzkolben für eine Minute im Ultraschallbad behandelt. Es bildete sich ein homogeneSuspension. Diese Suspension wurde als nächstes in die HDPE-Flaschen abgefüllt. Nachdem alle Lösungen überführt waren, wurden diese für weitere 20 Minuten im Ultraschallbad behandelt.
Es wurden zwei unterschiedliche Zwischenverdünnungen (ZV) aus Standardeichlösungen (1000ppm) hergestellt
Tab. 4.5: Konzentrationen der Elemente in den Zwischenverdünnungen ZV N und ZV HFS.
| ZV N | ZV HFS |
| As 1000 ng/g | Nb 2000 ng/g |
| Mo 1000 ng/g | Zr 10000 ng/g |
| Cd 200 ng/g | Sn 1000 ng/g |
| Pb 2000 ng/g | Sb 200 ng/g |
| Bi 200 ng/g | Hf 2000 ng/g |
| Th 1000 ng/g | Ta 200 ng/g |
| U 1000 ng/g | W 2000 ng/g |
| + 10 Vol.-% 6N HCl | |
Die Unterteilung in zwei Zwischenverdünnungen ist nötig, da bei vielen Standardlösungen die Elemente in der Lösung mit Hilfe von HCl stabilisiert sind, oder das Element selbst als Cl-Verbindung vorliegt.
Tab. 4.6: Übersicht, in welcher Form und welcher stabilisierenden Säure die Elemente in den Standardeichlösungen vorliegen.
| Element | als | in |
| As | As2O3 | HNO3 0,5 mol/l |
| Bi | Bi | HNO3 1 mol/l |
| Cd | Cd | HNO3 0,5 mol/l |
| Hf | HfOCl2 | HCl 1 mol/l |
| Mo | Mo | HNO3 1 mol/l |
| Nb | NbCl6 | HF 1mol/l |
| Pb | Pb | HNO3 0,5 mol/l |
| Sb | Sb2O3 | HCl 5mol/l |
| Sn | Sn | HCl 5mol/l |
| Ta | TaCl5 | HF 2 mol/l |
| Th | Th(NO3)4 | HNO3 0,5 mol/l |
| U | UO2(NO3)2 | HNO3 0,5 mol/l |
| W | WO3 | HNO3 1 mol/l + HF 0,3 mol/l |
| Zr | Zr | HCl 5% |
Für die Messung des As ist unbedingt darauf zu achten, dass möglichst Cl-frei gearbeitet wird, also Proben- und Eichlösungen kein Cl enthalten. Die Eichlösungen wurden je nach Versuch und Ziel der Einzelmessung entweder aus einer Zwischenverdünnung (ZV N) oder aus beiden Zwischenverdünnungen hergestellt.
Tab. 4.7: Konzentration (ng/g) der Elemente in den Kalibrationslösungen A, B, C und D (alle Lösungen + 2 Vol.-% HNO3 und 20 ng/g In, Re).
| Element | Lösung | |||
| A | B | C | D | |
| As | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
| Mo | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
| Cd | 0,1 | 0,2 | 0,5 | 1 |
| Pb | 1 | 2 | 5 | 10 |
| Bi | 0,1 | 0,2 | 0,5 | 1 |
| Th | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
| U | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
| Nb | 1 | 2 | 5 | 10 |
| Zr | 5 | 10 | 25 | 50 |
| Sn | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
| Sb | 0,1 | 0,2 | 0,5 | 1 |
| Hf | 1 | 2 | 5 | 10 |
| Ta | 0,1 | 0,2 | 0,5 | 1 |
| W | 0,5 | 1 | 2,5 | 5 |
Für die Auswertung der Messergebnisse wurde ein einheitliches Schema entwickelt und bei allen Messungen angewendet.
Abb. 4.4: Schema zur Auswertung der ICPMS-Messungen
Kurze Erläuterung der einzelnen Schritte:
Abb. 4.5: Schema zur Herleitung der Element-Quality-Control-Faktoren
1. Schritt: Berechnung von F0, F1,...,Fn
| (4.1) |
2. Schritt: Berechnung der QC-Faktoren f1, f2,...,fm
![]() | (4.2) |
| mit: | n | = | Anzahl der Messpunkte zwischen zwei QC-Messungen |
| Fy | = | QC-Faktor links von fx | |
| Fz | = | QC-Faktor rechts von fx | |
| F0 | = | f0 !! |
Wichtige Voraussetzung für diese Korrektur ist der angenommene lineare Verlauf zwischen zwei QC-Messungen.
| (4.3) |
Wie dem Auswerteschema zu entnehmen ist, ist auch der Fehler für jeden Messwert nach dem Fehlerfortpflanzungsgesetz bestimmt worden. Für die Berechnung der Konzentration eines Isotopes z in der Probe i gilt:
| (4.4) |
Nach dem Fehlerfortpflanzungsgesetz berechnet sich der Fehler σ ekonzz nach:
![]() | (4.5) |
Daraus ergibt sich:
![]() | (4.6) |
| mit: | mz | = | Steigung der zu Isotop z gehörenden Eichgerade |
| xz | = | gemittelte counts der runs für Isotop z | |
| fz | = | Element-QC-Faktor Element z Probe y | |
| σekoonzz | = | berechnete und korrigierte Konzentration Isotop z (µg/g) | |
| σmz | = | Standardabweichung der Steigung der Eichgeraden | |
| σxz | = | Standardabweichung der gemittelten runs Isotop z | |
| σF0 | = | Standardabweichung des QC-Faktors F0 | |
| σF1 | = | Standardabweichung des QC-Faktors F1 | |
| σfz(i-1) | = | Standardabweichung des Isotop-QC-Faktors des Isotop z für Probe i-1 |
Der Fehler der Einwaage (angenommen: ± 0,2 mg ≈ ± 0,2%) ist im Vergleich zu den anderen Fehlerquellen vernachlässigbar klein und wurde daher nicht berücksichtigt. Der Fehler der Element-QC-Faktoren ist nur dann berechenbar, wenn mehrere Lösungen hintereinander als QC-Lösung gemessen wurden.
Ein wichtiges Ergebnis einer Messung ist die Nachweisgrenze LLD (engl.: Lower Limit of Detection) und die Bestimmungsgrenzen LOD (engl.: Limit Of Determination).und LOQ (Limit Of Quantitation). Die Nachweisgrenze gibt die minimale Konzentration eines Isotops in einer Lösung an, die benötigt wird, damit sich das Signal gerade noch vom Untergrund abhebt. Die Nachweisgrenze wurde folgendermaßen berechnet (nach Potts 1992):
| (4.7) |
Die Bestimmungsgrenze ist die minimale Konzentration eines Isotops in der Lösung die benötigt wird, um sichere Angaben über die Konzentration des Isotops in der Lösung machen zu können. Die Berechnung der Bestimmungsgrenzen wurde mittels der Formeln
| (4.8) | ||
| (4.9) |
durchgeführt. Der Unterschied zwischen LOD und LOQ ist der, dass die statistische Vertrauensgrenze (Sicherheit) für
das LOQ höher als für das LOD ist.
Bestimmungs- und Nachweisgrenzen sind hinsichtlich möglicher Verschleppungen (z.B. Messung eines Blanks
nach einer hochkonzentrierten Lösung) besonders sensitiv. Dadurch kann es zu relativ hohen LLD, LOD und LOQ kommen.
Die Genauigkeit der ermittelten Konzentrationen kann mittels Vergleich der Soll-Konzentration und der ermittelten
Konzentration eines internationalen Geostandards eruiert werden. Man behandelt dafür einen internationalen Geostandard von
der Einwaage über den Aufschluss bis hin zur Messung, genau wie eine normale Probe. Die gewählten Standards sollten
dabei den unbekannten Proben möglichst ähnlich sein. Hier wurden bei jeder Messung zwei japanische Geostandards, JA-2
und JB-3, mitbestimmt. Daneben besteht auch die Möglichkeit, hausinterne Standards zu verwenden, jedoch schied dies hier,
aufgrund der fehlenden Bestimmung für verschiedene Elemente, aus.
Allerdings ist diese Methode der Genauigkeitsbestimmung mit Problemen behaftet. Der Grund hierfür ist
darin zu sehen, dass gerade einige der in dieser Arbeit gemessenen Elemente in den Geostandards nicht zuverlässig bestimmt
sind. Meist wird nur eine empfohlene Konzentration angegeben, deren Nachvollziehbarkeit aufgrund der Betrachtung der Einzelwerte
oft nicht gegeben ist.
Tab. 4.8: As-Konzentrationsbestimmungen des japanischen Geostandards JA-2 mit unterschiedlichen Analysetechniken (AA = Atom Absorptions-Spektroskopie (allg.), INAA = instrumentelle Neutronen-Aktivierungs-Analyse, XRF = Röntgenfluoreszenz). Die Einzelmessungen sind sehr unterschiedlich, der empfohlene Wert von 0,85 µg/g für As ist nicht das arithmetische, geometrische oder harmonische Mittel. Quelle: http://www.aist.go.jp/RIODB/RIO1/cgi-bin/db012/db012_05?JA-2+As
| Konzentration (µg/g) | Analyse-Technik | Jahr |
| 0,77 | AA | 1986 |
| 0,77 | AA | 1987 |
| 0,9 | INAA | 1996 |
| 0,95 | ICPMS | 1997 |
| 1 | XRF | 1986 |
| 2,21 | ICPMS | 1995 |
| 4 | INAA | 1988 |
| <13 | XRF | 1995 |
Für Elemente, die schlecht bestimmt sind, wäre die Angabe eines Konzentrationsbereichs , in dem die tatsächliche Konzentration des Standards aller Wahrscheinlichkeit nach liegt, sinnvoll. Aus diesem Grunde soll hier der Reproduzierbarkeit er Ergebnisse größere Aufmerksamkeit geschenkt werden als der Genauigkeit.
Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse wurde durch Vergleich aller Einzelmessungen einer Probe ermittelt. Die Reproduzierbarkeit ist ein Maß für die analytische Wiederholbarkeit von Ergebnissen, das heißt, dass sich bei wiederholten Messungen das gleiche Ergebnis (mit leichten Abweichungen) einstellt. Die Reproduzierbarkeit wird meist als einfache Standardabweichung eines Datensatzes angesehen.
Bei der letzten Messung der Probenlösungen (CPS25021998) ergaben sich für die Isotope 93Nb, 181Ta, 182W und 183W sehr schlechte Eichkurven, was anhand der Korrelationskoeffizienten erkennbar ist. Die Ursache hierfür ist der Verlust der Elemente Nb, Ta und W aus der Eichlösung C. Daher wurde die Eichkurven für die Isotope 93Nb, 181Ta, 182W und 183W ohne die Eichlösung C berechnet. In Abbildung 4.6 (a)-(d) sind die Eichkurven mit und ohne Eichlösung C aufgetragen.
Abb. 4.6: Vergleich der Eichkurven unter Einbeziehung der Eichlösung C und ohne Einbeziehung der Eichlösung C: (a) 93Nb, (b) 181Ta, (c) 182W und (d) 183W. Es ist bei allen Eichkurven ohne die Eichlösung C ein deutliche Verbesserung des Korrelationskoeffizienten zu sehen.
Da die Eichlösung C auch zur Driftkorrektur herangezogen wird, wurde für diese Messung auch das Verfahren zur Driftkorrektur modifiziert. Die Faktoren F0, F1, ..., F6 wurden dabei ähnlich wie in Kapitel 4.7.1 beschrieben, berechnet:
![]() | (4.10) |
Durch diese Modifikationen konnte die Genauigkeit der Konzentrationsbestimmung für die Isotope 93Nb, 181Ta, 182W und 183W so stark verbessert werden, dass die Ergebnisse der Konzentrationsbestimmung diese Isotope doch noch in das Gesamtergebnis aller Probenmessungen miteinfließen konnten.
Im Normalfall wurde die Normierung der Messungen für die Isotope mit einer Masse ≤123amu auf 115In und für die Isotope mit einer Masse ≥177amu auf 185Re vorgenommen. Abweichend davon konnte es sich als positiv erweisen, wenn alle Isotope auf einen inneren Standard normiert wurden. Dies war dann der Fall, wenn die Messung eines inneren Standards starke Schwankungen aufweist oder eine Abhängigkeit von matrixhaltigen und matrixfreien Lösungen zeigt ( Abb. 4.6).
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