1. Einleitung

Die Frage nach den Mechanismen der chemischen Differentiation der Erde spielt eine große Rolle in den Geowissenschaften. Wichtige Prozesse, die zu dieser Differentiation der Erde geführt haben sind die Neubildung von ozeanischer Kruste, die Bildung von kontinentaler Kruste und das Recycling von ozeanischer und kontinentaler Kruste durch Subduktion. Subduktion und der damit verbundene Vulkanismus ist ein wesentliches Merkmal der modernen Plattentektonik. Den Geowissenschaftler interessieren die mit der Subduktion verbundenen Prozesse und Ausbildung des Vulkanismus abhängig von der Subduktionsumgebung und den Subduktionsparametern. So spielt es keine unerhebliche Rolle, ob z.B. ozeanische Kruste unter ozeanische oder kontinentale Kruste subduziert wird, mit welcher Geschwindigkeit dies geschieht und in welchem Winkel die subduzierte Platte abtaucht. Will man die Auswirkungen solcher Unterschiede verstehen, muss man versuchen die Prozesse die bei der Subduktion ablaufen, zu erkennen und zu verstehen. Leider ist es aber nicht möglich die Prozesse in einer Subduktionszone direkt zu studieren und ist daher auf indirekte Methoden angewiesen. Zu diesen indirekten Methoden zählt auch die Untersuchung des subduktionsbedingten Vulkanismus hinsichtlich seiner Geochemie.
   Neben der Hauptelementgeochemie spielt vor allem die Geochemie der Spuren- und Ultraspurenelemente eine gewichtige Rolle, da sie sehr sensitiv auf bestimmte Prozesse reagiert. Vor allem anhand der Spurenelemente möchte man klären, inwieweit es zur Aufschmelzung der subduzierten Platte kommt, wieviel Sediment subduziert wird, ob und wie es zur Anreicherung verschiedener mobiler Elemente durch Fluidtransport von der subduzierten Platte in den darüberliegenden Mantelkeil kommt. Zur Klärung dieser Fragen bediente man sich bisher meist der HFS-Elemente (inkompatible Elemente mit großem Ladungs-Ionenradius-Verhältnis), der LIL-Elemente (inkompatible, großionige lithophile Elemente), der Seltenerdelemente (SEE = La und Lanthanide) und der radioaktiven und radiogenen Isotopensysteme (z.B. Sm-Nd-System oder Pb-Pb-System). Die Untersuchungen dieser Elemente bzw. geochemischen Charakteristika gehören mittlerweile zu den Standardverfahren und haben Modelle der Prozesse bei der Subduktion stark erweitert und verfeinert. Eine vollständige und eindeutige Klärung der Subduktionsprozesse ist damit bisher jedoch nicht gelungen. Deshalb richtet man gerade in den letzten Jahren das Augenmerk vermehrt auf bisher wenig genutzte Elemente und Isotopensysteme. Möglich wurden solche Untersuchungen auch oftmals erst durch verfeinerte Analysemethoden und -möglichkeiten. Zu den in den letzten Jahren vermehrt untersuchten Elementen und Isotopensystemen zählen die chalkophilen Elemente und das Be-Isotopensystem (z.B. Tera et al. 1986, Morris et al. 1990, Woodhead et al. 1985).
   Da diese Elemente bisher sehr wenig und unzureichend untersucht wurden, fehlen oftmals wichtige Daten über diese Elemente, z.B. die Verteilungskoeffizienten eines Elementes zwischen Mineral und Schmelze bzw. Mineral und Fluid oder die Konzentrationen in verschiedenen Gesteinstypen, und eine geeignete Analytik. Besondere Bedeutung bekommen daher in diesen Bereichen die Arbeiten von Jochum et al. (1993, 1996, 1997), Noll et al. (1986), Ryan et al. (1995) und Leeman (1996). Diese Veröffentlichungen stellen eine wichtige Grundlage dieser Arbeit dar.
   Jochum et al. (1997) stellten Untersuchungen über das Verhalten von Sb bei der Differentiation der frühen Erde an und lieferten Daten zur relativen Inkompatibilität dieses Elementes. Dazu bestimmten sie die Konzentration von Sb, Pb und verschiedenen SEE mittels SSMS (spark source mass spectrometry) in MORB, OIB, Xenolithen, kohligen Chondriten und anderen sowohl präkambrischen als auch rezenten magmatischen Gesteinen. Sie konnten zeigen, dass das Sb im untersuchten System eine dem Pr ähnliche Inkompatibilität besitzt, und dass das Sb bei der Differentiation der Erde aufgrund seiner chemischen und geochemischen Eigenschaften stark fraktioniert wurde. In einer anderen Arbeit (1993) wurden ähnliche Untersuchungen zu Sn angestellt. Das Sn besitzt nach dieser Arbeit eine mit dem Sm vergleichbare Inkompatibilität. In einer weiteren Arbeit ( 1996) untersuchten Jochum et al. alterierten MOR-Basalt hinsichtlich der Konzentration verschiedener chalkophiler Elemente. Es wurden sehr starke Anreicherungen verschiedener Elemente gegenüber frischem MOR-Basalt festgestellt. Die größte Anreicherung weist Sb auf, das um einen Faktor ∼2.000 im alterierten MORB gegenüber frischen MORB-Gestein angereichert ist. Noll et al. (1986) präsentierten in ihrer Arbeit erstmals einen größeren Datensatz zu Gehalten chalkophiler Elemente in verschiedenen Subduktionsmagmatiten verschiedener Lokalitäten. Die Bestimmungen der Elemente wurden dabei größtenteils mittels ICPMS durchgeführt. Ryan et al. (1995) konnten geochemische Variationen in Gehalten verschiedener Elemente in Traversen der Kurilen als Funktion der Tiefe der subduzierten Platte zeigen. Leeman (1996) zeigte, dass für die Stärke der Anreicherung von fluidmobilen Elementen abhängig von der Menge subduzierten hydratisierten Materials ist, und dass ein Zusammenhang der Effizienz der Anreicherung von den physikalischen Subduktionsparametern gesteuert wird.


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